Montag, 7 September 2009, 226512 km

Autoreparaturwolle

Von den Strickkünsten meiner Frau profitiere ich ja schon seit Jahren. Dass ihr Hobby aber jemals von technischem Nutzen für das Coupé sein würde, hätte ich nie geahnt.

Auf dem Rückweg von einem Wochenendausflug fing es an: Schon auf der Fahrt über den Feldberg im Schwarzwald hatte ich das Gefühl, dass die Schaltautomatik viel zu früh schaltet, als wenn der Steuerdruck nicht mehr stimmt. In Höhe des Bodensees dann die Panne: Das Gaspedal klebte förmlich am Boden und das Auto nahm fast kein Gas mehr an.

Anhalten ging auf dieser Strecke schlecht, doch wofür gibt es den Tempomat? Das nette Hebelchen an der Lenksäule eignet sich prima dazu, das Auto mit Handgas zu fahren. Solange man blos nicht unter 40 Stundenkilometer rutscht, denn dann schaltet sich der Tempomat ab.

Nachdem eine passende Haltestelle gefunden war, war das Problem offensichtlich auch schnell gefunden: Die Umlenkwelle des Gasgestänges war aus ihrer Buchse in der Schotwand gerutscht. Eigenlich hätte ich mich

wundern müssen, dass ich sie so einfach wieder einhängen konnte. Tat ich aber nicht.

Drei Kilometer das gleiche Spiel. Vielleicht sollte ich mir die Problematik doch einmal genauer anschauen. Am vorderen Ende der Welle ist ja auch ein Gelenk. Doch wo bitteschön ist die Gelenkkugel hin, die da eigentlich sein sollte? Gefunden habe ich sie ein paar Zentimeter tiefer auf der Halterung einer Einspritzdüse: In unzähligen kleinen Krümeln.

Während ich noch nachdachte, wie ich die Welle provisorisch fixieren konnte, kam Frauchen mit einem Knäuel Wolle an. Kein billiges Flusenzeugs, sondern richtig stabile Wolle. Sie ist halt Profi auf ihrem Gebiet. Mit Hilfe der Wolle ließ sich die Welle zumindest soweit fixieren, dass sie nicht mehr aus dem hinteren Lager rutschte.

Nachdem die Wolle die restlichen 200 Kilometer Heimfahrt gehalten hat, stellt sich nun die Frage, ob wir nicht einen Webshop eröffnen sollten. Wer weiß, wofür man Autoreparaturwolle sonst noch gebrauchen kann?