Donnerstag, 23 Januar 2003, 173609 km

Ein sträflich vernachlässigtes Zündschloss

Dies sei allen eine Warnung, bei denen bereits der Schlüssel im Zündschloss hakt: Hinausschieben ist sträflich, denn das Schloss wird irgendwann ohne jegliche Vorwarnung seinen Dienst quittieren. Und es wird sich durch nichts überzeugen lassen, auch nur ein einziges Mal noch zu funktionieren. Weiterhin möchte ich aus eigener bitterer Erfahrung warnen, dass sich solch ein Schließzylinder allen Aufbruchversuchen hartnäckig wiedersetzt. Ich habe es sogar geschafft, einen soliden 10mm-Flachschraubendreher von Hazet mit aufgesteckten Ringschlüssel im Schloss abzubrechen. Und das erfordert rohe Gewalt. Hier meine Erfahrung:

Der Schließzylinder im Zündschloss kann nur ausgebaut werden, solange man noch in der Lage ist, ihn mit dem Schlüssel auf Position 1 (Zündung ein) zu stellen. Außer mit schwerem Gerät wie Diamantbohrern dürften die Chancen ansonsten schlecht stehen, den Zylinder aus dem Lenkschlossbock herauszuoperieren.

Grundsätzlich ist der Aufbau des Lenkschlossbocks mit dem Schließzylinder bei allen älteren Modellen gleich. Doch die Unterschiede im Detail haben auch so ihre Tücken. So lässt sich zum Beispiel der Stecker, welcher hinten auf dem Zündschloss drauf steckt, beim 126er nur in Schlüsselposition 1 abziehen, während er bei 116er-Modellen und beim 123er nicht gesichert ist. Hier muss man also im Ernstfall den Stecker mit Gewalt abhebeln und seine Beschädigung in Kauf nehmen.

Ein weiterer Unterschied ist die Arretierung des Lenkschlossbocks in der Lenksäule. Allen gleich ist die Tatsache, dass dies die einzige Möglichkeit ist, um einen funktionsuntüchtigen Schließzylinder, welcher sich nicht mehr drehen lässt, zu entfernen. Der Lenkschlossbock rastet mit einem Metallbolzen und Federkraft in eine Bohrung der Lenksäule ein. Dieser Bolzen wird normalerweise zwar auch nur in Schlüsselposition 1 freigegeben (in dieser Position lässt sich der Bolzen mit einem Dorn hineindrücken und der Bock nach Lösen der Schelle herausziehen), ist aber im Gegensatz zu anderen Knackpunkten als einziger nicht aus gehärtetem Stahl. Der Bolzen lässt sich mit einem normalen Bohrer ausbohren.

Allerdings ist dies nur beim 126er so einfach. Dort kommt man nach ausbauen des Lenkrades und der Lenksäulenverkleidung von vorne mit einem Körner dran und kann den Bolzen dann ganz einfach mit einer normalen Bohrmaschine ausbohren. Schwieriger wird es beim 116er, da der Arretierungsbolzen dort nicht nach vorne sondern nach schräg hinten in den Raum des Armaturenträgers ragt. Hier kann man also nur mit einem kleinen Winkelbohrer oder mit einer äußerst flexiblen Welle bohren.

Der eigentliche Schließzylinder ist eine solide Ausfertigung, die allen möglichen Aufbrechversuchen standhalten wird. In eingebautem Zustand ist einzig seine vordere Blende sichtbar. Diese Blende dient als Aufbohrschutz und ist dementsprechend stabil ausgeführt. Etwa 6 Millimeter dahinter kommt dann die Feinmechanik, in die der Schlüsselbart eintaucht. Der Schlüsselbart bringt mit seiner individuellen Form mehrere Schließplättchen gegen einen Federwiderstand in eine fluchtende Position. Die Plättchen sind aus Messing gefertigt und unterliegen so einem gewissen Verschleiß. Sollte

auch nur eines der Plättchen nicht mit den anderen auf einer Höhe fluchten, blockiert es den Zylinder gegen Verdrehen. Sollte man dies mit Gewalt versuchen, wird in jedem Fall eher der Schlüssel im Schloss abbrechen.

Gegen den Verschleiß gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Zum einen bedarf das Schloss einer gewissen Pflege. Früher wurde hierzu oft Grafitpulver verwendet. Das hat allerdings den großen Nachteil, dass es aus Feststoffen besteht, die den Zylinder mit seiner filigranen Technik mit der Zeit zusetzen. Ein spezielles Schlossöl ist in jedem Fall vorzuziehen. Die meisten Öle hierfür haben zudem reinigende Substanzen, die vorhandenen Abrieb oder Überreste vergangener Pflegeversuche wie Grafitpulver oder verharztes Öl beseitigen.

Eine weitere Maßnahme ist das Anfertigen von neuen Schlüsseln, wenn diese offensichtlich abgenutzt sind. Bei Mercedes lassen sich unter Vorlage von Fahrzeugbrief und Personalausweis Schlüssel für das jeweilige Fahrzeug passend bestellen. Mercedes-Benz greift hierfür auf eine individuelle Schlüsselnummer zurück, anhand der sich die originale Schlüsselform reproduzieren lässt. Das hat im Gegenteil zu einem beim Schlüsseldienst kopierten Schlüssel den Vorteil, dass nicht vorhandene Abnutzungen vom alten Schlüssel mit der Kopiermaschine auf den neuen übertragen werden.

Um den Schließzylinder aus dem Lenkschlossbock herausnehmen zu können, muss die schwarze äußere Blende (Schraubkappe) entfernt werden. Diese ist einfach aufgeschraubt und wird durch einen Metallbolzen gesichert. Nach dem Entfernen kann der Schließzylinder nach vorne herausgezogen werden. Um die Arretierung der Schraubkappe zu lösen, muss der Schlüssel eingesteckt und in Position 1 (Zündung ein) gedreht werden. Am äußeren Rand des Aufbohrschutzes des Zylinders findet sich eine kleine Nut (bei späteren Modellen der Baureihe 126 zwei Nuten). Steht der Schlüssel in Position 1, kann man durch diese Nut einen Metalldorn etwa 18 Millimeter tief einführen. Auf den letzten Millimetern wird man gegen den Widerstand einer Feder drücken. Diese drückt in normaler Stellung einen Metallbolzen in eine Nut der Schraubkappe und schützt sie so gegen ein Abdrehen. Durch den eingeführten Dorn wird die Feder zurückgezogen und nimmt den Bolzen mit. Somit kann die Kappe (gegen den Uhrzeigersinn) abgeschraubt und mitsamt dem Schließzylinder nach vorne herausgenommen werden.

Da der Arretierungsbolzen in allen anderen Schlüsselpositionen gesperrt ist und nicht zurückgezogen werden kann, hilft es übrigens nicht, den Aufbohrschutz auf gewaltsame Methode mit einem Hebel in Schlüsselposition 1 zu bringen, um den Dorn an der richtigen Stelle einführen zu können. Der Dorn wird sich zwar problemlos reindrücken lassen und die Feder zurückziehen, doch wird der Bolzen die Schraubkappe nicht freigeben.

Als kleine haarsträubende Episode sei noch anzuführen, dass genau in den Tagen, an denen das Zündschloss defekt war, in einer Nacht ein schwerer Sturm vorbezog. Das Lenkradschloss war eingerastet und ich konnte das Coupé nirgendwohin bewegen. Links und rechts fielen Dachziegel auf die Straße, doch wie durch ein Wunder traf keiner davon das Auto.


ET-Nummer Bezeichnung St. Preis Gesamt Beleg
A 000 760 44 06 Schlüssel 2 16,47 32,94 21.01.2003
A 123 462 04 79 Schließzylinder 1 100,00 100,00
A 126 462 08 30 Lenkungsschloß 1 0,00 0,00
A 116 462 00 23 Schraubkappe Schließzylinder 1 0,00 0,00
A 126 680 00 65 Rosette Lenkungsschloß 1 9,31 9,31 21.01.2003
N 912010 005001 Sicherungsscheibe Duoclip 2 0,21 0,42 21.01.2003
A 009 545 72 28 Deckel 1 1,15 1,15 21.01.2003
A 009 545 73 28 Deckel 1 1,35 1,35 21.01.2003
A 000 546 70 41 Leitungsverbinder 1 3,55 3,55 21.01.2003
A 000 812 04 86 Ring 1 2,27 2,27 23.01.2001
A 116 725 00 70 Rosette 1 5,74 5,74 23.01.2001

Gesamtkosten: 156,73 Euro